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Zur Geschichte

Um der Geschichte der Glücksburgischen Friedrichsgarde und ihrer Entstehung gerecht zu werden, muss man ein wenig historisch ausweichen, ist doch gerade die Entstehung der Glücksburgischen Friedrichsgarde durchaus anders, als es gemeinhin der Fall ist im Gilde- und Gardewesen und bei den heutigen Schützenvereinen. Man kann die Garde nicht beschreiben, ohne das Gildewesen und gerade auch die sogenannten Paradecorps und Garden in der Vergangenheit zu beleuchten.

Die Historie des Schützenwesens reicht bei uns zurück bis ins 12. Jahrhundert. Auch in Schleswig-Holstein gibt es derartig alte Gilden, so die Sankt Johannisgilde von Oldenburg von 1192 und die St. Knudsgilde aus Flensburg, die sich auf das Datum der Heiligsprechung des Herzogs Knud Laward im Jahre 1170 zurückführt. Weitere sehr alte Gilden in unserem Land sind die 1380 gegründete Bürgerschützengilde zu Wilster oder die “Große Grüne Gilde” aus Kiel von 1412 oder auch die Flensburger Schützengilde St. Johannes von 1436, die St. Nikolai-Schützengilde ist von 1583. Nicht vergessen darf man die Büdinger Schützengesellschaft von 1353, mit der die Friedrichsgarde eine besonders enge Freundschaft pflegt und die 2003 immerhin ihre 650 Jahre feiern konnte.

Das 14. Jahrhundert überhaupt war das große Gründungsjahrhundert, auch bezogen auf die Bedeutung der Gilden großer Städte. So liest man Hamburg 1355, Dortmund 1378, Hannover 1379, München 1393 oder Göttingen 1394; aber auch Namen wie Reval 1360 oder auch Paris 1390, also nicht nur typisch deutsch.

Der Einfluss dieser Gilden war oft beträchtlich, in Flensburg z.B. war der Ältermann der St. Knudsgilde in alter Zeit auch Bürgermeister der Stadt mit dem Recht, Mitglieder des Rates zu berufen; und diese dürften denn wohl auch Gildebrüder gewesen sein.
Diese Gilden hatten alle bei ihrer Gründung einen Grundgedanken: Das war der Schutz vor oder gegen was. Es gab dann entsprechend Feuergilden, Gilden zur Verteidigung der Stadtmauern, es gab Totengilden - auf das man anständig von dieser Erde komme - , Gilden gegen Krankheiten, Not und Elend. So kam allmählich zum Gedanken der gegenseitigen Hilfe der Versicherungsgedanke in`s Spiel. Gegen ein Extra-Entgelt konnte man sich gegen alles mögliche versichern, gegen Sturmschäden und Wasserfluten, aber auch sein Vieh gegen Seuchen oder sein Getreide gegen Hagelschlag. Eine Besonderheit war folgende Regelung: Man brauchte nicht selber auf die Stadtmauer zu klettern um mit dem Schießgerät herumzuwerkeln, man konnte einen Knecht abstellen, der dann das Schießen zu erlernen hatte.

Der Begriff Gilde an sich ist mehrdeutig; Einmal in Richtung Bezahlung (das Wort Geld klingt durch), dann auch Opfer oder Opferschmaus und nicht zuletzt Bruderschaft. Das spiegeln die ältesten noch vorhandenen Statuten wider, so von der St. Knudsgilde, deren Mitglieder seinerzeit durch Eid verbunden waren, sie hatten noch die Pflicht zur Blutrache und erkannten Gottesurteile als Beweismittel an.
Das Wort Gilde bedeutet auch Trinkgelage, der Begriff “Gelagskönig” für den Schützenkönig der Glücksburgischen Friedrichsgarde erinnert daran. Diese Gelage waren - profan gesagt - oftmals ein feierliches Besäufnis. Vielfältig daher die Regularien, um diese gesellschaftlichen Höhepunkte einigermaßen geordnet ablaufen zu lassen: Es gibt Strafen für Streithansel, Strafen für Bierverschütten oder für das willkürliche Zerbrechen des Trinkgeschirres. Aber auch - und das ist wirklich gut - für “Frauen und Jungfrauen mit unnützen Worten zu begegnen”. Ein gewisser Verfall der guten Sitten gegen Ende des Mittelalters erschütterte auch die mittelalterlichen Bruderschaften, denen Martin Luther ja auch - man höre - “ihr heidnisches, ja säuisches Wesen” vorgehalten hatte.

War das Schießen ursprünglich reiner Verteidigungszweck gewesen, so hatte sich gegen Ende des 14. Jahrhunderts allmählich ein Vogelschießen entwickelt. Vornehmlich im 15. Jahrhundert bildeten sich sogenannte “Papagoyengilden”, zum Zweck einmal jährlich einen Holzvogel abzuschießen; zum großen Teil waren das alte Gilden oder Teile davon. Und das waren letztlich die Anfänge unseres modernen Schützenwesen. Man hatte eben Spaß an der Freud!

Im Lauf der kommenden Jahrhunderte hat sich der Charakter der Gilden und auch der Friedrichsgarde naturgemäß weiter verändert. Aus einigen wurden Versicherungsgesellschaften, aus anderen Schützenvereine, die je nach Tradition und Neigung mehr zur Wahrung alter Bräuche oder mehr zum modernen Sportschießen neigen oder durchaus auch zu beidem. Eines aber haben die meisten beibehalten: Ihr jährliches Schützenfest. Dabei ist es in manchen Orten noch heute ehrenvolles Anliegen der Gemeinde selber, das Schützenfest auszurichten, mit allem was dazu gehört. Man denke nur an Hannover, wo vor einigen Jahren Vereine auf Teilnahme klagten, weit man sie nicht eingeladen hatte.
Bei diesen Schützenfesten wird dann der ehrengeachtete Schützenkönig ausgeschossen. Dabei geht es neben Ruhm und Ehre auch um materielle Dinge, seien es in manchen Gegenden erheblichen Kosten der Pflichten der Königswürde - oder in früheren Zeiten die oft opulenten Preise.
Schützenkönig zu sein ist für manchen ein hohes Ziel und er befindet sich in allerbester Gesellschaft:
Prinz Ferdinand war bei der Garde dreimal König, Kaiser Wilhelm war 1906 König in Elmshorn, Kronprinz Peter von Holstein-Gottorf (der spätere Zar Peter III) war Schützenkönig in Neustadt. Seeteufel Graf Luckner gab sich die Ehre bei den Hamburgischen und die Schlesischen Beuthener konnten immerhin mit Paul von Hindenburg und mit Friedrich Wilhelm IV. von Preußen aufwarten.

Neben den klassischen Gilden und den Schützengesellschaften entstanden - meist im 18. Jahrhundert - noch die sogenannten bürgerlichen Garden oder auch Paradecorps, die wir kurz streifen müssen, spielen sie doch eine gewisse Rolle bei der Gründung unserer Friedrichsgarde. Diese Paradecorps sahen ihren Hauptzweck - wie man liest - “lediglich im Paradieren bei Anwesenheit fürstlicher Personen und in jährlich abzuhaltenden respectablem Ringreiten und Scheibenschießen”. Das Reiten bezieht sich auf die besonders vornehme Flensburger Friedrichsgarde von 1743 des legendären Lokalhelden Franz Bäckmann. Die Mitglieder waren nur reiche junge Kaufleute mit prachtvollen roten Uniformen mit viel Gold abgesetzt. Sie hatten beritten zu sein; und zwar ausschließlich auf Rappen mit vergoldetem Pferdegeschirr und grünen Schabracken. Gregor von Rezorri hätte wohl gesagt: “Söhnchen vom fertigen Gelde!” 1851 endete dieses Prachtexemplar von Paradecorps, ihm war das Geld ausgegangen.
In Flensburg gab es damals aber ein zweites Paradecorps, die Christiansgarde, wegen ihrer Uniformen auch “Grüne Garde” genannt. Sie war von dem Kaufmann A.P. Andresen gegründet worden, um auch einfacheren Bürgern zu Fuß die Möglichkeit zu geben, an dieser Art des gesellschaftlichen Lebens teilzuhaben. Und diese “Grüne Garde” treffen wir bei der Gründung der Friedrichsgarde bald wieder.

Und nun zur eigentlichen Gründung unserer
Glücksburgischen Friedrichsgarde von 1801 e.V.:

Was war um 1801 ganz allgemein los in Kultur, Technik, Wissenschaft und Politik:
Schiller schrieb die “Jungfrau von Orleans”, Goya malte “Die Nackte Maja”, Haydn komponierte “Die Vier Jahreszeiten” und Beethoven “Die Geschöpfe des Prometheus”, während Gauß die Grundlagen der modernen Zahlentheorie veröffentlichte. Der Großglockner wurde erstmalig bestiegen und Berlin erhielt eine allgemeine Briefpost. Das Zeitalter der Dampfmaschine begann, es fuhr der erste Straßendampfwagen und - kaum bekannt und zu wenig wichtig genommen - Franz Carl Ashard eröffnete die erste Zuckerfabrik für Zucker aus Rüben - und die wuchsen bei uns.

Da durch Napoleons Wirken der Seehandel - besonders Englands - nicht mehr so richtig funktionierte, hatte man auch lange nach Ersatz für Rohrzucker gesucht. Und damit wären wir bei Napoleon, denn die Glücksburgische Friedrichsgarde ist letztlich Kind der politischen Wirren dieser Zeit. Und das kam so:
Großbritannien hatte in seinem Bestreben um die Herrschaft auf See naturgemäß auch Zwistigkeiten mit Dänemark. So wurde im Sommer 1800 die dänische Fregatte Freja, die einen Konvoi von 6 Handelsschiffen begleitete, nach einem kurzen Feuergefecht samt Konvoi von britischen Kriegsschiffen aufgebracht. Dieser Streit jedoch wurde noch diplomatisch beigelegt, die Fregatte auf britische Kosten repariert und alle dänischen Schiffe freigelassen.
Inzwischen aber hatte der russische Zar Paul I alle britischen Schiffe in seinen Häfen beschlag-nahmen lassen, als Racheakt für die Besetzung Maltas, wo Paul I seit 1798 Großmeister des Malteserordens war. Die Franzosen hatten ja 1798 Malta erobert, woraufhin Paul I der 2. Koalition gegen Napoleon beitrat. Die Engländer - auch nicht faul - hatten nun 1800 ihrerseits Malta annektiert. Daraufhin trat Paul I aus der 2. Koalition aus und stellte sich offen auf die Seite Napoleons und beschlagnahmte - wie erwähnt - englische Schiffe. Doch Paul I tat noch mehr: Er erneuerte im Dezember 1800 die sogenannte “Bewaffnete Nordische Neutralität” mit Dänemark, Preußen und Schweden. Das allerdings kam den Engländern einer Kriegserklärung gleich!
England stellte daraufhin eine Flotte zusammen - unter dem Kommando von Lord Nelson und einem Sir Parker, der offiziell das Kommando hatte, aber wohl eher nicht entscheidend war. Die Flotte wurde dann am 12. März 1801 auf den Weg gebracht. Diplomatische Anfragen an Dänemark, um es von seinen Verbündeten in letzter Minute zu lösen, scheiterten. Am 21. März ankerte die britische Flotte dann im Sund, um dann am 2. April 1801 in der berühmten Seeschlacht von Kopenhagen zu obsiegen, die Seeschlacht übrigens, die Lord Nelson später als seine schwerste bezeichnet hat.

Geschichte wird oft durch Gegebenheiten interessant, die sich scheinbar nur am Rande abspielen. In die Rubrik “Ironie der Geschichte” gehört aber folgendes: Am 2. April fand eine todbringende Schlacht statt, die nicht hätte stattzufinden brauchen: Paul I war nicht sonderlich beliebt; er war despotisch und von willkürlich-kleinlicher Strenge in der Armee. Schlicht: Er war verhasst und so wurde er am 23. März 1801 von seinem Offiziercorps ermordet, und das zehn Tage vor der Schlacht. Er starb nebenbei eines unrühmlichen Todes, er wurde im Bett erstickt. Mit diesem Wissen - so auch englische See-kriegshistoriker - hätte diese Schlacht nicht stattgefunden. Aber bei der damaligen Nachrichtentechnik wusste man eben nichts. Nach der Schlacht wurde nach Schweden gesegelt, dort einigte man sich friedlich.
Danach ging es nach Reval zum ärgsten Widersacher in der Ostsee. Der aber war ja tot und ein Sonderkurier des neuen Zaren Alexander I übermittelte, dass man keinerlei Interesse an Feindseligkeiten habe, und das war dann schon der 24. April 1801.

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Zurück zu der drohenden Kriegsgefahr im März 1801, also:
Das Grollen dieses herannahenden Krieges war dem Amtshaus zu Flensburg natürlich nicht verborgen geblieben. Der verantwortliche Amtmann , Nicolay Theodor von Ployart, war der Annahme, dass die - mutmaßlich siegreichen - Engländer nach der zu erwartenden Niederlage der Dänen dann auch in die Gewässer der Herzogtümer einfallen würden, also auch in die Flensburger Förde. Flensburg wurde deshalb schon Anfang März in einen verteidigungsfähigen Zustand versetzt, die heutige Batteriestraße erinnert noch daran. Flensburg vorgelagert allerdings waren Glücksburg, Bockholm und weitere kleine Orte, deren Einwohner den Feind sicherlich als erste bemerken würden.

Deshalb beschloss Herr von Ployart die Rekrutierung eines Verteidigungscorps in Glückburg und Umgebung, er legte die Bedingungen fest, die sogenannten “Puncte worüber das freywillige Corps zur Verteidigung des Fleckens und des Schlosses Glücksburg bei etwaigem Ueberfalle einig geworden sind, und wozu er sich durch ihre Unterschrift verpflichtet hat:”

Danach folgen fünf Regularien im Einzelnen, was zu tun sei im Gefahrenfalle, wie das mit dem Gehorsam, der Pünktlichkeit und mit dem Umgang mit dem scharfgeladenen Gewehr wäre. “Und es wollte sich das Corps alles starcken Getränkes während der Zeit da er unterm Gewehr stehet enthalten”. Dann wird doch festgelegt, dass der arbeitenden Klasse wegen die notwendigen Übungen um nach 6 Uhr abends stattfinden sollen; und zwar “in welcher Kleidung es ihnen beliebt, so wie überhaupt kein besonders Corps in besonderer Mundirung existieren wird.”
Diesen Punkten folgen 89 Unterschriften, resp. die vom Amtsschreiber geschriebenen Namen derer, die sich verpflichtet hatten. Man bedenke 89 Mann bei nur 90 Haushalten mir rund 500 Einwohnern seinerzeit in Glücksburg; der Jüngste war 19, der Älteste 74 Jahre alt. Vom Schloss waren 22 Bedienstete angetreten, die anderen waren größtenteils Handwerker, Bauern oder auch nur Tagelöhner. Und dadurch gab es ein neues Problem: Denn sie hatten weder ein Gewehr, noch Pulver und Blei. Es waren 54 Männer, die bei der Rubrik “fehlt es an beydem” unterzeichnet hatten.
Gesuch Also setzte Herr von Ployart am 28. März 1801 (diesmal mit Datum) erneut ein Schreiben auf. Die Bitte zur Spendensammlung zwecks Beschaffung der nötigen Bewaffnung wie folgt:
“Wenn verschiedene Einwohner Glücksburgs durch handliche Umstände verhindert sein möchten, dem zur Verteidigung des Fleckens zu errichtenden Corps persönlich beyzutreten, so dürften diese zu den Bedürfnissen des Corps durch einen freywillgen Geldbytrag mitzuwirken nicht abgeneigt seyn.” Die Sammlung erbrachte 151 Thaler, angeführt von Herzogin Anna Carolina und ihrem zweiten Ehemann Herzog Friedrich Carl Ferdinand; gefolgt von Glücksburger Bürgern, aber auch Herrn von Ployart persönlich mit 10 Thalern.
Jetzt konnte jeder Mann dieser “Heimwehr” bewaffnet werden. Man übte sich im Schießen, man exerzierte und es wurde das Schloss bewacht; und das alles unter dem Befehl des bayerischen Rittmeisters, Tobias Peter von Wimpfen.

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Aber es hat kein Krieg, kein Kampf stattgefunden in Glücksburg oder Flensburg oder seiner Förde. Die Engländer hatten anderes im Sinn und somit war das Schützencorps eigentlich arbeitslos!
Man wollte auch nicht “so mir nichts, dir nichts” auseinanderlaufen, wo man doch so schön bewaffnet war und sich fleißig im Schießen geübt hatte. Was lag daher näher als in die zivile Sparte zu wechseln und eine Schützengesellschaft zu etablieren:

So versammelten sich die Corpsmitglieder am 26. Juni 1801 und begründeten mit 15 Artikeln, die alle noch im Original vorliegen, eine Schützengesellschaft. Diese Statuten wurden unverzüglich dem Amtshaus mit der Bitte um Genehmigung vorgelegt. Die Erlaubnis folgte auf dem Fuße am 27. Juni 1801 in allen Punkten, aber mit der Ergänzung: “dass die Aelterleute jedes Mal den Beamten des Ortes vorher den Tag und den Ort des Scheibenschießens anzuzeigen haben”, auf dass es “Keinem zu Schaden oder Nachteil gereichen könne”. Die Schnelligkeit der Antwort lässt das große Interesse am Erhalt einer - wenn auch noch so kleinen und auch zivilen - Streitmacht erkennen; die Zeitläufe waren ja auch danach.

FriedrichsgardeAm 2. Dezember 1801 stiftete dann Herzogin Anna Caroline ein Königsschild, das bis heute der Schützenkönig beim jährlichen Ummarsch als Zeichen seiner Würde trägt. Das erste Schützenfest der neuen Schützengesellschaft war dann im Sommer 1802 und zwar in Zivil! Als aber im August desselben Jahres hoher Besuch auf dem Schloss weilte, da paradierte nicht die hiesige Schützenge-sellschaft, (womit denn auch?!), es paradierte die Flensburger Christiansgarde in ihren grünen Uniformen, angeführt höchst-persönlich vom Bürgermeister Andresen. Das muss bitter gewesen sein für die hiesigen Glücksburger Schützen, denn sie wurden sofort tütig und wenige Wochen später war am 22. September 1802 ein Gesuch “Höheren Orts vorzutragen” fertig, das - auszugsweise - lautet: “Wir unterschriebene Glücksburgische Einwohner wünschen, dass wir als ein bürgerliches Paradecorps angesehen, und wie der gleichen Bürgercorps in den Städten, namentlich der Christiansgarde in Flensburg auch privilegiert werden möchten.” Man versprach sich im Schießen unterweisen zu lassen und fleißig zu üben. Als besondere Wünsche hatte man - auf den Kern gebracht -: ” dass wir Uniform tragen dürfen”, die dann genau beschrieben wurde, nebst Epauletten für die “Offiziers”. Weiter: “Dass uns gestattet ist werde Music zu gebrauchen und unsere Offiziers frei wählen dürfen.” (Mit Genehmigung vom Amtshause versteht sich). Und bezüglich des Namens heißt es: “Dass unser Corps die Ehre haben dürfte, nach Sr. Königl. Hoheit, unserem vielgeliebten Kronprintzen, die Glücksburgische Friedrichsgarde genannt zu werden.” Dieses Gesuch wurde von 49 Mitgliedern der Schützengesellschaft unterschrieben, von den “Offiziers” vorgetragen und dann hieß es warten, denn diesmal ließ sich das Amtshaus Zeit. Aber am 23. März 1803 war es endlich soweit. Es kam die ersehnte Antwort, dass “Sr. Majestät der König auf das Gesuch allerhöchst resolvirt haben:” Es wurden alle Punkte bestätigt und man hieß “Glücksburgische Friedrichsgarde”.

Nun hatte man was man wollte, Uniform, Musik und einen Status. Die enge Bindung zum Schloss wurde durch den Namen bezeugt und durch das Wort Garde wurde der etwas mehr militärische Charakter - als es die Gilden sein wollten - gezeigt. Zu kriegerischen Handlungen war es Gott sei Dank ja nie gekommen. Auch 1807, als die Engländer erneut Krieg gegen Dänemark führten - wegen Napoleons Kontinentalsperre - auch 1807 kam der Krieg nicht in die Herzogtümer. Gewarnt war man; es liegt ein ziemlich aufgeregter Schriftwechsel vor zwischen dem königlichen Statthalter in Schleswig und dem - nun schon - Major von Wimpfen, betreffend die “Organisation der Küstenverteidigung auf die zweckmäßigste Art”.

Das Gardeleben nahm nun seinen Lauf. Leider wissen wir erst ab 1879 genauer Bescheid, denn ab da liegen alle Protokollbücher im Archiv vor; sie enthalten Berichte über alle wesentlichen Dinge, als da sind die Schießen, die Feste, die Sitzungen, die Verpflichtungen aus dem Ehrendienst dem Schloss gegenüber, und natürlich auch die Mitglieder.
Aus der Zeit vor 1879 haben wir nur die sog. Schießrollen mit den Ergebnissen und den Namen der Schützen. Und es waren 1803 103 Mann. Der Mitgliederbestand der Garde interessanterweise fast immer gleich hoch - mit einem Einbruch. Es waren fast 100 Mann in den verschiedenen Jahren. Einen Einbruch der Mitgliederzahlen gab es nur zu Zeiten Königs Friedrich VII, als der nämlich 1854 Glücksburg zu seiner Sommerresidenz machte und die Garde zur Schlosswache verpflichtete. Man liest: “Beliebt scheint der Dienst am Hofe des Königs bei der Friedrichsgarde nicht gewesen zu sein, denn wenn 1850 fast jeder Fleckensbewohner der Garde als Mitglied angehörte, fanden sich als Leibgardisten des Königs nur 30 Männer zusammen. Erst als das Schloss wieder von einem Herzogspaar bewohnt wurde, gewann die Garde ihre alten Freunde zurück.
Allerdings hatte Glücksburg früher ja wesentlich weniger Einwohner, was die Zahlen natürlich relativiert. Zur Jahrhundertfeier 1901 hatte Glücksburg rund 1400 Bürger, heute hat Glücksburg rund 5900 Einwohner und die Garde 159 Mitglieder, davon 36 in der Damengruppe und 10 Jugendliche.

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Dann kam die Jahrhundertfeier als der wohl absolute Höhepunkt der bisherigen Gardegeschichte: Vom 9. bis 11. Juni 1901 feierte ganz Glücksburg in allen Sälen von damals 5 Hotels, in einem sogar mit einer Damenkapelle. Der Chronist der “Flensburger Nachrichten” lässt uns wissen: Am Abend des ersten Tages “riefen Böllerschüsse an die Ufer des romantischen Rüder-Sees. Dunkelheit lagerte auf der Gegend . . . am wolkenlosen Abendhimmel leuchtete einsam der Abendstern, da leuchteten an den bewaldeten Ufern Bengalische Flammen auf, die Baumpartien mit magischem Rot beleuchtend. Von der Mitte des Sees erklangen die getragenen Akkorde des “Grüß Gott” vom Gesangsverein der vereinigten Handwerker”, die auf einem eigens gebauten Ponton standen. “Bei der eingetretenen Windstille stiegen Raketen in die Luft auf” und erbauten das “rings die Ufer füllende Publikum.” Die nächsten zwei Tage brachten das eigentliche Schießen, die Ermittlung des neuen Königs, den Festkommers und letztlich als krönenden Abschluss den Gardeball. Es war ein großes Fest, Ausdruck eines inzwischen wohlhabenden und zufriedenen Bürgertums einer kleinen Stadt mit hoheitlichem Ambiente.
Die Garde pflegte ihren Festumzug seinerzeit unter Gewehr zu absolvieren, also musste für jeden gesorgt werden, was der Garde tatsächlich beim preußischen Kriegsministerium gelang. Es steht geschrieben an Bürgermeister Bunzen: “In Anbetracht der besonderen Verhältnisse in der Glücksburgischen Friedrichsgarde wird die Feldzeugmeisterei ermächtigt, dieser Schützengilde 50 Büchsen . . . zu überlassen”. Die Bedingungen waren sehr gut: 3 RM pro Stück, aber auf Verlangen des Kriegsministeriums jederzeitige Rückgabe gegen Rückerstattung des Kaufpreises.

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50 Jahre später, zwei Kriege vorbei, das Dritte Reich überlebt, war das Jubiläumsjahr 1951 ein neuer Höhepunkt des Gardelebens und der mit ihr verbundenen Menschen. Man freute sich, dass man wieder feiern konnte und das tat man auch mit viel Hingabe und viel Aufwand. Berittene Herolde führten den Festumzug durch die Stadt, die Honoratioren und die Mitglieder der herzoglichen Familie in offenen Kutschen. Andere Vereine und Schützengilden begleiteten unsere unformierten Gardisten. Es war ein rundum gelungenes Fest.

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Wieder 50 Jahre später - im Jahre 2001 - schickte sich die Glücksburgische Friedrichgarde zur 200-Jahrfeier an, aber diesmal nicht nur zum Jubiläum, diesmal zu einem ganz besonderen Höhepunkt der Gardegeschichte, nämlich zur Einweihung eines neuen Schützenheimes und Schießstandes, denn letztlich ist die Garde ein Schützenverein und dieser Schießstand ist immerhin die Nr.: 8 ! Und das kam so:

Begonnen hatte alles im Quellental, wohl weil Herzogin Anna Caroline die “reizende Fördebucht . . . als einen Lieblingsplatz bevorzugte.” Die Schützenfeste fanden dort statt, während das eigentliche Schießen auf einer Wiese in Sandwig war. Der Gastwirt in Quellental war sehr rührig, er baute ein festes Haus anstelle des anfänglichen Zeltes; wie gesagt es war immer viel los, zuviel für die Schützen. Sie zogen also um in den Kanaillenweg oder Halunkengang am Ende des Schloss-teichdammes und man nannte die Schießbahn Karolinenlund zur Ehre der Herzogin. Das war Nummer 2!
Durch die damals neuen Hinterlader war die Gefährdung für jedermann zu groß geworden und man suchte einen neuen Platz. Das war im Jahre 1891 und der Platz war hinten im Garten von Ruhetal, dort wo unser letzter Schießstand vor dem Neubau auch wieder gewesen ist. Doch was heißt schon Ruhetal, es kann der Beste nicht in Frieden schießen, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Einem Herrn Capito gefiel es nicht, und es entwickelte sich ein böser Rechtsstreit um das Jahr 1900 bis hin nach 1901, wo doch die Jahrhundertfeier in´s Haus stand. Das Vorschießen 1901 fiel bereits aus und man einigte sich auf einen Kompromiss, der der Garde noch das Fest ermöglichte, doch dann hieß es: “Die Garde geht, doch sie ergibt sich nicht. Auf zum Schießstand Nummer vier! Das Nachschießen wurde dann schon auf Johannesberg in Bockholm abgehalten, wo Gardemitglied und Gastwirt Hans Petersen eine Wiese zur Verfügung stellte. Aber der Weg war für damalige Verhältnisse sehr weit.
Man bemühte sich deshalb um einen anderen Platz, so z.B. hinter der Försterei. In der Probst-Lüders-Allee, im Garten vom Hotel Glücksburger Hof und in der Fuchswiese, wo immer diese auch gewesen sein mag. Geklappt hat es dann - Dank der Fürsprache des damaligen Ehrenchefs Herzog Friedrich Ferdinand - im Friedeholz am Schauental auf einem Pachtgrundstück vom Staat für 40 Reichsmark im Jahr. Dieser Schießstand mit dem ersten eigenen Schützenheim wurde am 26.09.1908 feierlich eingeweiht und man nannte ihn “Neu-Karolinenlund” das war also Nummer 5 und ohne den 2. Weltkrieg wäre er es vielleicht noch heute.
Aber es kam anders, 1947 verpachtete die englische “Proporty Control” unsere Schießhalle als Wohn- und Lagerhaus an die Stadt Glücksburg. Das wenige Vereinsvermögen, das Königsschild, den Willkomm und die Säbel bekam das Flensburger Museum zu treuen Händen. Das war also zunächst das Ende unserer Schützengesellschaft.
Ein Jahr nach der Währungsreform regte sich wieder neues Leben: Die erste Nachkriegs-mitgliederversammlung mit 24 Mann tagte am 23.07.1949 und plante für 1950 ein erstes Haupt- und Königsschießen und sei es nur mit Luftbüchsen. Geübt wurde im Hotel Stadt Hamburg und das Schießen war im Schlosspark. 1952 wurde dort sogar ein Kleinkaliberstand eingeweiht, das war Nr. 6.
Nach 1952 geht es mit der Schießstandhistorie ziemlich hin und her. Die Polizei beschäftigte sich - selbstverständlicherweise - mit Sicherheitsrisiken beim Schießen im Schlosspark, wo man bereits seitens der Garde an eine Überdachung des Standes gedacht hatte. Für Neu-Karolinenlund bekam man eine Entschädigung und ein desolates Haus zurück, so dass man an einen Wiederaufbau dort dachte. Aber dann stand plötzlich der Name Ruhetal wieder im Raum und dort packte man beherzt an. Große Teile des alten Standes vom Schauental wurden wieder verwendet. Neues wurde geschaffen und am 18. August 1957 wurde Schießstand Nr. 7 eingeweiht, errichtet auf einem Grundstück in Erbpacht, von dem die Garde Ende 2000 hat weichen müssen. Es wurde daher dringend Zeit, einen neuen Schießstand und ein neues Schützenheim zu bauen. Denn wie schrieb 1956 der damalige Chef der Garde, Cornelius Baren, in einem Rundbrief wie es treffender kaum gesagt werden kann, “dass ohne richtigen Schießstand der Fortbestand unserer alten Glücksburgischen Friedrichsgarde ernstlich in Gefahr in Frage gestellt ist. Die Friedrichsgarde steht und fällt mit dem Schießsport. Wir dürfen nicht zusehen, dass unsere . . . Garde womöglich auseinander läuft und der Vergangenheit angehören soll.”

Und das wird die Glücksburgische Friedrichsgarde nicht.
Unter großer Beteiligung von Bevölkerung, befreundeten Vereinen und des Schlosses wurden Schießstand und Schützenheim eingeweiht. Und so lebt die Glücksburgische Friedrichsgarde von 1801 weiter, und sie lebt weiter auch in ihrem Traditionsbewusstsein. Denn Tradition bedeutete nicht, am Alten festzuhalten - Tradition heißt nicht, die Asche zu bewahren, es heißt das Feuer zu hüten!

 

Dr. Hans-Peter Pluquet, Glücksburg im März 2005